Sonntag, 11. September 2016

Film "Der Landarzt von Chaussy"

Aus vielen Werbe-Mails zu Kino-Neuerscheinungen blieb bei mir nach längerer Zeit mal wieder ein Film in der Kategorie "Sehenswert" hängen. 
Zum einen, weil der Trailer eine gute Mischung aus Melancholie, Situations-Komik und keinerlei "Hau-drauf-und-Schluss"- Elementen hatte; zweitens, da ich gespannt war, wie sich Francois Cluzet, den man aus " Ziemlich beste Freunde" kennt, als Schauspieler sonst so macht. Ich hatte ihn vor ein paar Tagen im TV als Hauptdarsteller in "Zwischen den Wellen" gesehen (übrigens ein Pflichtfilm für Segler, wie ich finde) und fand ihn da schon sehr gut. Auf jeden Fall für mich Grund genug, ins Kino zu gehen.

Was in diesem Fall schon nicht so leicht war, da ich schon etwas länger suchen mußte, wo er denn in der deutschen Fassung ( so gut ist mein Französisch dann doch nicht) bei mir in der Ecke gespielt wird. Also ab ins Metropol nach Düsseldorf. Ältestes Kino der Stadt und mit kleinem Saal genau passend - nichts für Breitwand.

Um es kurz zu machen: unbedingt ansehen! 

Der Film besticht zunächst durch eine sehr gute Wiedergabe der typischen Dorf-Szenerien, zwischen kleinbürgerlichem Mief und nahegehenden zwischenmenschlichen Ereignissen. 
Das Thema " alteingesessener Landarzt erfährt von seiner eignenen Krebserkrankung und  bekommt Assistentin zur Entlastung" verspricht nun wirklich keinen all zu komplexen  Handlungsstrang, aber genau deswegen hat der Film Zeit für die kleinen Szenen und Histörchen, die den ärztlichen Alltag schildern und den Film so rund machen. Der ewige 92-jährige bettlägerige Patient, dem der Arzt versprochen hat, ihn nie und nimmer ins Krankenhaus einzuliefern, die Dorf-Aktivitäten zwischen Western-Dance Abend und Lach-Yoga und die erste Annäherung der neuen Assistentin an streitbare Höfgänse. Und das Halten des Spannungsbogen zwischen Fortschritt der Krankheit  und Annäherung der Assistentin gelingt ohne Schmalz und Tränen.

Ich ging aus dem Film und hatte mal wieder das Gefühl, dass  es die Zeit wert war.

Dienstag, 9. August 2016

Menü heute: Kühlschrank, mal durchgefegt

Kreationen aller Art in der Küche können gut und schief gehen. Besonders die Szene aus "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" , bei der Matthew in seiner Trauerrede das spezielle Rezept des verstorbenen Gareth (Wildschwein in Marzipan war es, glaube ich) noch einmal Revue passieren läßt, macht dies in punkto "schief" hinreichend deutlich.
Trotzdem vertraue ich , wenn ich abends in den Kühlschrank sehe und mal wieder nichts eingekauft habe, auf kreative Zellen und Begeisterung in mir. Irgendwas kommt immer dabei raus, wenn man Vorhandenes mischt. Oft schmeckt es sogar!
Natürlich gebietet eine gewisse Zurückhaltung das Zusammenführen von Zutaten wie etwa Matjes, Karamelsauce und  Chiliflocken...wobei - jetzt, wo ich es so schreibe...- ich schweife ab. 
Auch würde ich als Gast im Restaurant über Schweinebraten mit Hummer auf der Karte eher hinweglesen. Also: ich sehe mich als einen tendenziell konservativen Esser, der Sauerbraten mit Rosinen nur deswegen gerne isst, weil er dies von früher kennt. Wer in Aachen groß wird, weiss Bescheid.

Mein Vater kann - und da wird er nicht böse, wenn er das liest - nicht kochen. Wobei ich das schon wieder relativieren muss, denn Espresso und Eier klappen.

 Aber ich erinnere mich an Zeiten - es muß um 1970 gewesen sein -  wo er in einem Anflug von Kreativität meiner Mutter und mir eines Abends "Tapezierschnittchen" servierte. Es gab auf dem Teller ein Sammelsurium von Schnittchen und Zutaten, die er - Stichwort "kalte Küche"- zu Gebilden                 ( z.B. ein Lagerfeuer aus halben Salzstangen) drapierte, an die ich mich heute noch erinnere. Er stürzte sich schlicht auf Zutaten, die am Tag x der Kühlschrank hergab.

Und so habe ich die Liste der Dinge, die IMMER im Haus sein sollten, eigentlich im Kopf (nein, keine Salzstangen). Pasta, Reis (immer den, der 10 Minuten kochen muss, dann muss ich nicht umdenken), Tomatenmark, Zwiebeln (gerne die spanischen Gemüsezwiebeln), Gewürze, frische Kräuter (Schnittlauch, Basilikum, Rosmarin...), Speck, Milch, Sahne, Grappa (wenn es schmeckt und wenn es gar nicht schmeckt), Olivenöl (importiert im 5 l-Kanister vom Berg Athos, weil da nur die Esel an den Baum gepieselt haben). Alles andere wie Tomaten, Fleisch aller Art, frisches Gemüse, Pilze oder Fischiges und so bringt dann quasi die Varianz in die Statistik. Innereien gehen, ebenso wie Austern, gar nicht.

Rotwein muss natürlich auch immer greifbar sein. Aus den verschiedensten Gründen und daher auch in den verschiedensten Preisklassen. Der Traum vom muffigen, mit Kerzen erhellten Keller und gemauerten Regalen aus dem 16. Jahrhundert hat sich bisher noch nicht erfüllt. Daher ist es eben ein Regal ohne Kerzen.

Meine Mutter konnte kochen. Als ich zwölf oder so war, saß ich bei ihr in der Küche auf dem Schrank neben dem Herd, liess die Beine baumeln und lernte neben den normalen Gerichten wie Schweinebraten oder Hefeklöße ( Toast Hawaii kam glaube ich gerade auf) Dinge wie Biersuppe, Mulligatawny Soup, Piroggen und Rotweinkuchen. Wenn ich etwas von ihr behalten habe, dann, dass an alles, was man essen kann, zur Verfeinerung eine Prise Zucker gehört. 

Ein Kästchen mit handgeschriebenen Rezepten steht gerade neben mir und ich staune.
Unter der Rubrik "Fisch" lese ich ein Karteikärtchen " Matjes in Brombeersahne". Was es alles gibt.





 

Dienstag, 31. Mai 2016

Zange trifft auf Terminal





Eine der Gründe – wenn nicht DER Grund – warum ich alte Autos liebe und fahre, ist das relativ leichte Daran-herum-schrauben mit kleinem Besteck (10-er und 13-er Maul, Schraubenzieher, Zange, Wagenheber und Radkreuz decken 70% aller Pannen ab) -  im Gegensatz zum heute notwendigen Elektronik-Baukasten incl. Laptop, wenn man mal sehen will, was er denn hat, wenn er nicht läuft. 
Ich hätte auch glaube ich gar nichts davon, wenn der Werkstattwagen an mein 75er Vehikel ein Laptop anschliessen würde, was ja nicht geht, weil da kein Anschluss ist. (Laptop? Isdattdenn?) 
Und selbst wenn: auf der "Analyse-Seite" der Homebase des Rechners säße mit Sicherheit - nach Durchlaufen aller "Solutions" und FAQ´s kein Experte, der damit noch etwas anfangen könnte. 
Leider wird dann die Reparatur mit simpelster Technik doch durch die Unbillen des elektronischen Werkstattlebens behindert und eine komplette Rückkehr in frühere Paradiese scheint unmöglich. Wie soll man auch antike analoge Prozesse erfassen, wenn die moderne EDV nicht will?


Beispiel:

Wilhelm II. sagt nach viertägigem, blöderweise nicht ausgeschaltetem Radio in der Garage keinen Mucks mehr. Die Innenraumbeleuchtung flackert beim Einsteigen noch einmal kurz auf, dann ist Ruhe im Karton. Anlassen: null Chance. 
Der liebe Jung erinnert sich nun an das stets mitgeführte Bordbesteck im Kofferraum, klemmt sich dank äußerst funzeliger Beleuchtung in der Tiefgarage eine Taschenlampe zwischen die Zähne und beginnt zu schrauben. Ausbauen der Batterie: zwei Polmuttern und zwei 10er Muttern der Halterung – fertig.

Dauer: 5 Minuten. 


Herauswuchten der schweren (88 Ampere) Diesel-Batterie von geschätzten 20 kg: ächz.

Dauer: 1 Minute.


Mit dem netterweise zur Verfügung gestellten Hyundai Atos einer Bekannten geht es zum 500 m entfernten Werkstatt-Outlet einer bekannten Kette mit drei Buchstaben.

Dauer: 3 Minuten


Batterie aus dem (tief eingesackten) Heck des Atos in die Werkstatt wuchten.

Dauer: 1 Minute


Der nette Werkstattmensch meint, ich müsste nur kurz nach vorne zur Reparatur-Annahme zum Kollegen, damit ich da den Auftrag unterschreiben kann. Ich gehe also durch die Werkstatt in den Verkaufsraum und stelle mich an.

Dauer: 1 Minute


Der Reparatur-Annahme-Kollege ist mir sofort verdächtig. Ich erkenne glaube ich in zehn Sekunden, ob da jemand Ahnung von dem Ding mit dem Bildschirm hat oder eher nicht. Hier: eher gar nicht. Bei jedem Blick auf das Glas vor ihm hat man das Gefühl, er lernt wieder etwas dazu.


„Guten Tag, der Kollege meint, ich bräuchte noch kurz einen Auftrag von Ihnen für…“ „ Kennzeichen?“ „Eh, was?“  „Ihr Kennzeichen brauche ich.“ „Ich bin nicht mit dem Auto da, ich wollte nur die Batt…“ „ Ja, ohne Kennzeichen kann ich Ihnen keinen Auftrag schreiben.“  „ Hören Sie, ich kann Ihnen gar kein Kennzeichen geben, weil kein Wagen repariert wird, sondern nur die Batterie.“   
 „ ? Ah…waren Sie schon mal hier?“ „ Ja, vor ein paar Wochen.“  Erleichterung macht sich auf dem Gesicht des Verkäufers breit. „ Dann geben Sie mir doch bitte den Namen“  Ich gebe und buchstabiere ihn ihm. Er tippt etwas in seine Tastatur und meint dann vorwurfsvoll: „Sie sind hier aber nicht drin.“   
 „ Das stimmt, ich kann da auch nicht drin sein, weil ich Ihnen den Namen ja auch vor ein paar Wochen nicht genannt habe.“  „Haben wir sie denn das letzte Mal nicht erfasst?“  „Nein.“  „Warum?“  „ Ich kann es Ihnen nicht mit Bestimmtheit sagen aber ich nehme an, weil sie Kunden, die nur eine Flasche Chrom-Politur kaufen wollen, nicht erfassen müssen!“ Langsam werde ich ihm unheimlich. Die Schlange hinter mir besteht jetzt aus vier Mann.


Der Mann wendet sich leise an seinen Kollegen neben ihm, der gerade Stoßdämpfer-Preise für einen Kunden aus dem Bildschirm sucht. Jetzt prallen mangelnde Programmierschritte des Entwerfers von Software, die Kunden ohne Namen und Kennzeichen erfassen muss, auf geschultes Praxis-Wissen langer Jahre. 
Dieser meint nur kurz: „F7 drücken“. Er drückt. Ein Papier kommt aus dem Drucker – ich unterschreibe und bin fertig.


Dauer:  8 Minuten


Über Nacht muss sich da etwas in Sachen Fortbildung getan haben, denn als ich die Batterie heute Morgen abhole (Ihr dürft raten, bei welchem Kollegen ich an der Kasse stehe?), dauert es eine Minute und 4,90€ später habe ich eine Quittung und eine volle Batterie auf dem Fahrrad-Gepäckträger.


Nach Hause rollen – einbauen –starten: fertig. I love it!

Um dem ganzen Umstand  demnächst aus dem Weg zu gehen, wäre ich für ein Kabel, mit dem man die Batterie wieder am Zigarettenanzünder aufladen kann. Wundert mich, dass da noch keiner drauf gekommen ist...


Mittwoch, 18. Mai 2016

Kurzurlaub Ijsselmeer - Ahoi!



Es war wieder soweit: es ging aufs Wasser! Und dann noch „unter Stoff“ und nicht vor einem Motor her –wie schön!
Route


Obwohl ich als alter Aachener früher nur 2,5 Stunden von da weg gewohnt habe, bin ich eigentlich an den Wochenenden und im Urlaub immer nur dran vorbei oder drum rum gekommen, wenn es ans Wasser ging. Vlissingen, Domburg, Oostkapelle, Veere …die üblichen Verdächtigen halt.


Jetzt aber waren vier Tage Segeln angesagt, und das auf einem – für Holland sehr typischen - Plattbodenschiff. Hier kommt jetzt die Landratte und fragt: Boot oder Schiff? Und da raufen sich die Instanzen auch schon ganz schön heftig, sehe ich so im (Inter- nicht Fischer-) Netz: Gewicht, Kapitän (ja oder nein), Länge, eingetragen im Register etc. pp. sind die Punkte, an denen man es unterscheiden kann. Für mich aber ganz klar: das Ding war ein Schiff! Mit 25 Metern hat es ein Recht dazu, finde ich, basta.
Amore Vici beim Nachbarn geparkt


Eric und Jelly, das Skipper Ehepaar, haben ihre „Amore Vici“ , einen alten Lastenkahn, der mit Kohle, Holz oder Säcken voll irgendwas lange an der holländischen Küste langschipperte, gekauft und vor Jahren mit viel Geld und noch mehr Liebe zu einem prima Personenschiff umgebaut.
Skipperfrau und Skippermann
Alles, was der Mensch so braucht, ist an Bord: 20 Kojen in 2-er und 4-er Kabinen, großes „Wohnzimmer“ , Kombüse mit einem großem Gasherd (den ich selbst gerne zuhause hätte), Stauraum ohne Ende und Duschen, die es wert sind, so genannt zu werden (zumindest im Vergleich zu Duschen auf kleineren Yachten, die ich so kennengelernt habe). Und die Skipper wohnen komplett separat ganz hinten.


Das Ernährungs-Programm hieß „Selbst-Verpflegung“ für vier Tage und so startete das Einschiffen im Hafen von  Enkhuizen mit zwei Stunden Einräumen von Baguette, Senf, Bier, noch mehr Bier, Salaten, Leberkäse, Aufschnitt, Frikadellen, Wasser (nicht so viel), noch n bißchen Bier, Aufback-Brötchen, Eiern, Wein, etwas Bier, Nudeln und einer Haribo-Mix-Kiste in Kompaniestärke. Ach ja, und Bier. 


Von den 18 Landratten und –rättinnen (Altersklasse: 12 bis um die 70) kannte ich vorher gerade Mal fünf und alle anderen stellten sich im Laufe der Tage ebenfalls als komplett in Ordnung da. 


Nun muss man wissen, dass sich meine Erfahrung vom Segeln auf Boote mit maximal 13 Metern Länge erstreckt. Da zieht man das Großsegel schon mal zu zweit hoch, mal geht´s mit Winsch zum Kurbeln, mal auch elektrisch. Bei der Amore Vici gab es eine Einweisung in Sachen Seilen, Knoten, Fallen, damit das kontrollierte Hochziehen der Segel nicht in einem kompletten Chaos endet. Vier Mann hoch sind da schon gefragt, man steht dort in der „Hau-Ruck“ – Kette und kommt sich vor wie ein Seekadett auf der Gorch Fock, wenn der Lappen dann endlich oben ist. 
Was für was?

Von diesen Lappen gab es dann drei: Großsegel, Focksegel und Klüver. Und entgegen dieser typischen Mittelmeer-Touristen Schiffe, die die Masten eigentlich nur zur Zierde und im Prospekt tragen, segelten wir dauernd – außer natürlich im Hafen.


Noch ein Unterschied zum Hobby-Segeln: das Steuer. Hier kann man es so nennen, es reicht einem bis zum Hals und braucht bei stärkerem Wind auch Kraft. Permanentes Kurbeln ist angesagt, wenn man nicht wie ein Idiot in Serpentinen-Manier durchs Gewässer schlingern will. Dauernd geht der Klüverbaum
Mit Netz und einfachem Boden
(der Mast da ganz vorne, der dieses Netz unter sich hat, wo man so toll drin liegen kann) woanders hin als man gedreht hat…
Steuerrad sucht Steuermann


Die Stationen: Enkhuizen, Makkum, Medemblik, Enkhuizen. Dazwischen dann noch ein Highlight: das Trockenfallen im Watt der Nordsee. Haben doch diese Plattbodenschiffe keinen Kiel, sondern eben diese riesigen Seitenschwerter. So kann man sich bei ablaufendem Wasser einfach über eine Untiefe bewegen und ankern. Dann wartet man, bis das Wasser verschwunden ist – fertig. Aussteigen, Wattwandern, Muscheln suchen u.s.w.  
Die Energieecke Hollands: Tausende von Kilo Watt
Und wenn man so eifrige Sammler hat wie wir, gibt’s nach der Rückkehr aufs Schiff eine Auswahl von Muscheln verschiedenster Formen, kurz geschwenkt in heißem Olivenöl, kleingeschnittenen Zwiebeln, Knoblauch und Kräutern. Dazu etwas Brot und Weißwein: da lasse ich jedes Sterne-Restaurant an Backbord für liegen!



Auch ein nettes Zwischendurch: der Besuch der Mastspitze! Mit dem Bootsmanns-Stuhl um den Wanst geschnallt geht es dank intensiver Arbeit der unten Stehenden am Flaschenzug langsam nach oben:  Photographen nach vorne! Für Nicht-Geübte wohl nur bis Windstärke zwei zu empfehlen…



Was sich auch als Nicht-Wassersportler lohnt, sind Besuche eben dieser angelaufenen Orte: Postkarten-Motive für Fotografen, schöne Häfen, kleine Kneipen mit Live Musik, Restaurants, Spazierwege an der Küste entlang etc. …you name it. Dass es an den Sommer-Wochenenden voll wird, davon kann man allerdings ausgehen.


Donnerstag, 28. April 2016

Es naht die Wahl...




…und schon kommen langsam wieder die Themen in den Focus, mit denen es sich beim Wähler punkten lässt – aktuelles Beispiel: die Rente.
Jahrelang geflickt und ausgebessert, hat sich bisher noch keine Regierung so richtig getraut, den potentiellen Wählern dieses Thema einmal so nahezubringen, dass alle erkennen: so geht´s nicht weiter.
Die alte Bismarck´sche Sozialformel: „Junge zahlen ein, Alte nehmen es raus“ funktioniert nicht mehr. Die Alten werden immer älter und die Jungen immer weniger.
Das Dumme: alle Stellschrauben, die Schäuble und Kollegen jetzt bewegen müssten, kosten Wählerstimmen. 

-      Schraube A: Die Rente mit 70: wird sicher so richtig mit Sekt und Feuerwerk bei allen Fünfzig Plus – Wählern begrüßt. 

-      Schraube B: Beamte zahlen ab jetzt in die Rentenkassen: Hallo.. Nachdenken! Der gesamte politische Wasserkopf in Berlin besteht aus solchen. Warum sollten die sich das Wasser selbst abgraben? Das funktioniert doch schon nicht, wenn es um höhere Diäten geht (bzw. falsch: da funktioniert es natürlich reibungslos)

-      Schraube C: Höhere Rentenbeiträge: sofort drohen Arbeitgeber mit Entlassungen und Gewerkschafter mit Verarmung der Mitglieder

-      Schraube D: mehr Leute ins Land lassen, die Beiträge zahlen (vielleicht nicht sofort, aber später) – da freut sich das aktive Rollkommmando von Pegida und AfD

-      Schraube E: warum bleibt der Zins so niedrig? Weil diesen Wunsch die Finanzchefs aller hochverschuldeten europäischen Länder jeden Abend in ihr Nachtgebet einschließen – sonst gehen nämlich manche echt Pleite.

Aber da man Wähler braucht, wird hier ein bisschen gebastelt und da ein bisschen gelaubsägt. Kurz vor der Wahl gibt’s dann noch die stärkste Renten-Erhöhung seit Jahren, damit alle erst mal wieder ruhig bleiben.

Wenn dann noch Sozialfallen gebastelt werden, in denen alleinstehenden Friseusen mit 1200,-€ netto 30 Jahre ein Riester Vertrag empfohlen wird und sie hinterher nichts davon haben, weil das Ergebnis mit der Grundsicherung im Alter verrechnet wird…tja, dann wird’s dünn. 
Na prima, denken sich da manche, spar ich eben selbst. Superidee! Mit 0,7% Zinsangebot bei der Bank kommt man dann auch so richtig schnell auf einen grünen Zweig. Aber trotzdem: Hunderte von Milliarden Euro ruhen betonfest auf deutschen Sparbüchern – nur keinen Gedanken an einen Investmentfonds verschwenden… 

Leute, werdet wach: der Staat wird’s nicht mehr richten (können)!

Geht (als ein Beispiel von vielen) in „erhöhtes Risiko“ und sucht euch einen guten Mischfonds. Ihr habt als junger Mensch zig Jahre Zeit, bis ihr ihn braucht – bis dahin hat der jede Wirtschaftskrise dreimal wieder ausgeglichen. Und mit 50,-€ monatlich schafft dann auch die zitierte Friseuse nach 25 Jahren leicht 25.000,-€ Kapital.

Lasst um Himmels willen eure alten Kapital-Lebensversicherungen bis zum Ablauf im Schrank liegen: Garantiezinsen von 3% und mehr bekommt ihr heute nirgendwo wieder. Falls es Dynamiken gibt: jedes Jahr mitnehmen!

Aber was red ich….

Donnerstag, 10. März 2016

Bester Film seit langem: Spotlight



Was tut man, wenn man aus dem Kino kommt und von einem Film so begeistert ist wie ich gerade? Man empfiehlt ihn allen, die man trifft, ob die es wollen oder nicht.
Geht mir momentan so.

„Spotlight“ – echt gut! 

Wer „Die Unbestechlichen“ ( The Untouchables mit R. Redford und D. Hoffmann) von 1976 kennt und liebt, findet sich hier schnell zurecht. Frei nach dem Motto: die Story ruft, alles kann warten. Ein Team fängt an zu recherchieren. Hier geht es um ein fast ebenso wichtiges Thema wie Watergate damals, aber völlig anders geartet: Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche.
Sehr gut gespielt, u.a. von Michael Keaton als Leiter des Spotlight-Teams des Boston Globe.
Ein Thema, was unter die Haut geht, mit Tiefe aber mit dem nötigen Respekt und einem gehörigen Maß an Spannung recherchiert wird. Dass es auf wahren Begebenheiten beruht, macht es nicht spannender, aber wenn der Umfang des tatsächlichen Falles am Ende auf dem Tisch liegt, wird es noch gruseliger.
Leute , geht rein, es lohnt sich!