Donnerstag, 29. Januar 2026

Erkenntnisse zum Jahreswechsel

 


Jedes Jahr gibt es bestimmte „Neuerungen“. Für mich war das Jahr geprägt durch Themen, die man vorher kaum oder gar nicht auf dem Schirm hatte.

Ist Baustellenlärm durch vier Häuserreihen und zweihundert Meter Luftlinie mehr als nur gut vernehmbar, wenn sich alle Mühe geben? Vor allem nachts? Ja, definitiv.

Wo überhaupt liegt genau Grönland? Ein Teil des Globus, der bei mir bisher unter Platz 75 oder noch weiter hinten rangierte, was die Wichtigkeit des Weltgeschehens betrifft. Eisbären, Walrosse, Eskimos, viel Gegend und für mich Frostbeule absolut zu kalt – so das bisherige Fazit. Die Ortung ist mittlerweile geklärt. Und wem gehört es? Anscheinend ein noch laufender Prozess.

Wie oft muss man bei Facebook auf alle Quadrate mit Zebrastreifen, Fahrrädern oder Treppenstufen klicken, bis die KI begreift, dass sie falsch liegt?

Kann man sich in drei Wochen Italien-Urlaub durch Pizza, Pasta, Olivenöle und Rotweine arbeiten und dann zuhause ein Kilo weniger wiegen? Ja!  Ein Vorteil, den man bei seinen Lebensrestplanungen nicht unbeachtet lassen sollte.

Eine Drohne ist nicht nur ein „Hautflügler“. Mittlerweile erscheinen bei Google zu dieser Suche zunächst mindestens fünf Einträge von Luftfahrt Bundesamt, Drohnen-Store und Amazon, bevor man – wie früher - zu den Insekten kommt.

Als Film- und Serien-Junkie blättert man immer häufiger durch die Streaming-Angebote und stellt hinterher fest, dass wieder zu viel Lebenszeit vergeudet wurde. Ein absolut lohnenswerter Film dagegen - und das im Kino: "Amrum".

Ein e-Bike macht verdammt viel Spass, aber nur mit der richtigen Kleidung - speziell bei Regen.

Ein "Dry January" bietet mehr Möglichkeiten als gedacht. Unter anderem die (Wieder-) Entdeckung von Getränken. Almdudler - ich habe mich als Sechsjähriger auf Urlaub in Bayern darauf täglich gefreut. Es gibt ihn noch - heute allerdings für erwachsene Geschmacksknospen deutlich zu süss. Mit Soda aber gemischt: klasse! Und Ginger Beer: durchaus erwähnenswert. Trotzdem: ab 1.2 gibt es auch wieder ´nen Rotwein zur Pasta - statt Milch.

Freitag, 9. Januar 2026

Schneeflöckchen, weiss Röckchen...

 


Wann wird´s mal wieder richtig Winter? Ein bekannter holländischer Quizmaster nahm sich zwar 1975 mit dem Schlager den Sommer vor, aber die andere Jahreshälfte wäre es auch wert gewesen.

Bis zu eben diesem Jahr.

Der liebe Jung war im Winter 1978 beim Bund in Rheine, um Deutschland in der Truppenküche zu verteidigen. Und hatte einen VW Käfer in einem etwas bedenklichen Zustand, bei dem ich froh war, dass der TÜV ihm noch ein Jahr Zeit gab. Mit einem Bundeswehr-Salär von, ich glaube, 90DM monatlich, war man froh, wenn man über den nächsten Ersten kam und nicht in die Werkstatt musste. Im Sommer fuhr ich ungern bei Regen, da die Bodenplatte unter der hinteren Sitzbank fast „durch“ war. Wasser von unten blieb lange im Auto und schwappte einem beim Bremsen schon mal nach vorne um die Pedale. Da waren Temperaturen unter null natürlich super, weil das Wasser einfach gefror.

Überflüssig zu erwähnen, dass die Bereifung mit Sommerprofilen, die schon ein paar zehntausend Kilometer hinter sich bzw. weg hatten, vom ADAC nicht mehr als sommer- geschweige denn wintertauglich eingestuft worden wäre.

Die damals viel wichtigeren Details aber stimmten natürlich: dicke Lautsprecher auf der Hutablage, Gelhard Radio-Kassetten Spieler, Sportspoiler vorne und HELLA Fernscheinwerfer auf der Stossstange. Was konnte also schon passieren?

Der Wintereinbruch begann pünktlich mit Eiseskälte und Schneeflocken am Freitagnachmittag und wir Landesverteidiger wurden ins Wochenende entlassen („Kompanie: wegtreten!“). Alles stürmte auf den Parkplatz der Kaserne zu den schon leicht verschneiten Wagen. Ab da verdichteten sich die Ereignisse zusehends. Ich frage mich heute noch, warum ich da nicht einfach in der geheizten Kaserne geblieben bin, aber der „Heimattrieb“ war einfach zu stark.

Das Türschloss vom Käfer ging nicht auf. Zugefroren. Als Raucher hatte man zu der Zeit natürlich immer ein Feuerzeug zur Hand und zündelte unterm Schloss so lange, bis man zumindest den Schlüssel drehen konnte – geschafft!

Was kam jetzt? Die Türdichtung gab nicht nach – eingefroren. Da war auch noch so starkes Ziehen und Rappeln vergebens. Mittlerweile hatten der Schneefall und die Kälte zugenommen und der eisige Wind fegte über den kahlen Parkplatz. Was tun? Ich lief die fünfhundert Meter zur Kaserne zurück und kam mit einem Eimer heisses Wasser zurück. Als ich am Auto ankam, war das Wasser zwar nur noch knapp heiss, aber es reichte - schwupp – um die Dichtung zu lösen. Der Rest Wasser wanderte auf die gefrorene Windschutzscheibe und klärte da das Nötigste.

Nun hatte mein Käfer damals eine Stärke: er sprang immer an. Also erst mal im Stand laufen lassen (es gab noch nicht mal das Wort "Klimaschutz") und gewartet, bis das asthmatische Heizungsgebläse zumindest etwas warme Luft auf die Frontscheibe von innen und in den Fussraum hauchte.

Die Schneehöhe stieg und ich fuhr los. Wintertauglich – bei allen genannten Widrigkeiten – war der Käfer schon. Der Motor auf der Hinterachse sorgte auch bei deutlich optimierbarem Reifen-Profil für genug Gewicht, um Kraft auf die Strasse zu bringen.

Also erst mal zur Tankstelle und die Wintertauglichkeit erhöhen: Eis-Kratzer besorgen, Enteiser statt Scheibenwasser einfüllen - Verdünnung lohnte sich nicht mehr, Scheiben säubern, Volltanken … was halt so ging.

Die Verkehrshinweise überschlugen sich mit Wetterwarnungen, Staumeldungen und Nachrichten von gesperrten Strassen.

Von der Kaserne bis zuhause waren es 220 Kilometer. Mein Optimismus musste sich irgendwo zwischen zu hoch und unendlich blöd eingestuft haben.

Ich fuhr auf bereits verschneiten und bei Weitem noch nicht geräumten Strassen los. Die ersten Kilometer bis zur Autobahn funktionierten. Ich hörte die Lieblingskassette, drehte mir eine und blickte ansonsten zuversichtlich in die wachsenden Schneemengen.

Nach einigen Autobahnkilometern begann es. Die Wischerdüsen vereisten trotz hochprozentiger Waschlösung. Ab sofort nahm der Schmier auf den Scheiben immer mehr zu. Nur wenn man hinter einem LKW fuhr, der matschige Schneemassen hochwirbelte, gab es beim Wischen zwischenzeitlich klarere Sicht. Das bedeutete ab da: zuckeln hinterm Lastwagen und warten auf den Dreck. Und war das schon alles? Nein.

Der Scheibenwischermotor streikte von jetzt auf gleich – eingefroren. Um dem totalen Blindflug im dichten Schneetreiben zu entgehen, klappte ich ab da alle paar hundert Meter das kleine Seitenfenster auf, streckte die Hand raus, packte den Wischer und zog ihn nach links und rechts. Handschuhe? Fehlanzeige. Nach dem Einziehen der Hand brauchte es erst mal wieder etwas Zeit, bis ich die Finger bewegen konnte.

Sobald eine Tankstelle auftauchte, fuhr ich jedes Mal zum Scheibenreinigen raus und wärmte mich etwas auf.

Und so hangelte ich mich mit gefühlten tausend Zwischenstopps nach Aachen durch. Nur bei Kilometer 210 besann sich der Scheibenwischer plötzlich auf seine vom Werk zugedachte Aufgabe und lief einfach los – der Gott aller Käfer weiss, warum.

Selten habe ich mich zuhause so auf eine heisse Badewanne gefreut. Am nächsten Morgen lagen dreissig Zentimeter Schnee auf dem Käferdach. Panzer mussten raus fahren und manche Wege freiräumen bzw. Leute aus ihren Autos befreien. Braucht heute keiner mehr.

 

Freitag, 5. Dezember 2025

Excel quer Version 0.5

 

Meine absolute Lieblings-Software ist Excel. Ich habe damit seit 2014 sämtliche finanziellen Auf- und Fehltritte dokumentiert, die mir das Leben schön oder manchmal auch schwierig gemacht haben.

Als ich die Dokumente meines Vaters nach seinem Tod durchblätterte, fiel mir ein Notizbuch in DIN A 4 in die Hände, in dem ich seine Buchhaltung nachvollziehen konnte, wie sie sich seit 1956 (!) darstellte. Fast siebzig Jahre finanzielle Geschichte - hochinteressant! Das Kind (also ich) schlug anfangs nur mit einer höheren Krankenzusatz-Versicherung (plus 1,50 DM monatlich) und dem Darlehen für eine Wickelkommode zu Buche. Das änderte sich – glaubt es mir – rapide über die Jahrzehnte!

Dauerzahlungen wie Miete (42,75DM), Abzahlung Schlafzimmer (16,-DM) und Telefon (20,-DM) wurden damals genauso notiert wie Einmalsummen (Topf 20,-DM, Kohlen 41,50DM und Schallplatten 24,-DM). Es war, wenn meine Eltern erzählten, oft ziemlich knapp am Monatsende und sie diskutierten manchmal, ob sie sich eine Kinokarte oder ein paar Zigaretten kaufen sollten. (Damals wurde noch geraucht, was ich persönlich immer dann merkte, wenn ich auf der Rückbank des Autos dann grün im Gesicht wurde…).

Wie sich die Zeiten doch geändert haben. Die Miete würde heute nicht mal mehr für eine Telefonzelle reichen – wenn´s die noch gäbe. Dafür könnte man das Geld für die Kohlen sparen oder in Öl und Euro umrechnen und hätte es warm bis zum 3. des Monats.

Im Laufe der Jahre kamen Posten dazu wie „Rundfunk 31.50“, „Hundesteuer 15,-DM“, „Tageszeitung 64,20DM ¼ jährlich“, und nach dem Hauskauf dann Bausparkassen- und Bankdarlehen.

So plustert sich ein Kostenapparat über die Jahrzehnte halt auf. Wenn sich manche Gespräche heute um knappe Gelder drehen und man die Meinung vertritt, dass heute zwei arbeiten müssen, damit es reicht, schlage ich vor, die Excel quer- Methode anzuwenden und z.B. folgende Posten aus dem buchhalterischen Gemenge zu löschen:

-        Neuestes iPhone 17 (1.299, -€ bei apple)

-        den täglichen Crème Brulée Brown Sugar Frappuccino (7,90€ bei Starbucks)

-        Mittelgroße Horsebit 1955 Schultertasche (bei Gucci 2.700, -€)

Trotzdem frohe Weihnachten!